Besinnung auf das Wesentliche: Japan | NTT DATA

Donnerstag, 16. Aug 2018

Besinnung auf das Wesentliche: Japan – Entschleunigung vs. Technologie-Hoch

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Oftmals wurde ich in den letzten Monaten gefragt, welcher Stop unseres Remote Year Programms der spannendste für mich ist. Die Antwort war für mich von Anfang an klar – Japan. Warum? Als pulsierende Industrienation könnte man meinen, dass kulturelle und gesellschaftliche Lebensbedingungen ähnlich zu europäischen Verhältnissen sind. Auf der anderen Seite ist Japan geprägt von einer jahrhundertealten Geschichte und Kultur, welche sich massiv von der europäischen unterscheidet. Wenngleich ich durch unsere Firmenkultur und die japanischen Kollegen eine grobe Vorstellung hatte, was mich erwartet, war ich fasziniert von dem Land der Gegensätze.

Diese Woche sind wir an unserem letzten Stopp gelandet. Ich sitze in unserem Büro im 14. Stock, blicke auf Kuala Lumpur (Malaysia) und lasse den vergangenen Monat Revue passieren.

Wie habe ich Japan empfunden?

Auf der einen Seite ist Japan geprägt von einer atemberaubenden und vielfältigen Landschaft. Von sandigen Dünen über vulkanische Berge, tropische Inseln, verschlafene Kleinstädte und Dörfer bis hin zu leuchtenden Metropolen ist auf dem verhältnismäßig kleinen Inselstaat alles zu finden.

Unser vorübergehendes Zuhause Kyoto gilt als Zentrum der traditionellen japanischen Kunst und Kultur. Vor knapp 25 Jahren wurden daher zahlreiche Tempel, Schreine und Paläste Kyotos und seiner Umgebung von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Dementsprechend war auch unsere freie Zeit in der wunderschönen Stadt vor allen Dingen durch Besuche der kulturellen Sehenswürdigkeiten gezeichnet.

Tokio dagegen ist die größte Metropolregion der Welt, rund 1/3 der japanischen Bevölkerung lebt in und um die Großstadt. Beim Wandel durch die Straßen haben mich die Gegensätze der Stadt vollkommen fasziniert. Zwischen Tempeln und Palästen reihen sich Roboter-Restaurants, 7-stöckige Spielzeuggeschäfte mit einer abstrusen Anzahl an Anime, Comics, Spielfiguren, Computerspielen, überfüllte Spielhallen und winzig kleine Sake Bars. Ganz allgemein stehen Kultur und Tradition an jeder Straßenecke im krassen Gegensatz zu neuen Technologien, innovativen Lösungen und kleinen Absonderlichkeiten.

Beeindruckt hat mich zudem, dass NTT (DATA) in Japan an jeder Straßenecke sichtbar ist. Angefangen auf beinahe allen Schachtabdeckungen im Land, über Leuchtreklamen für Japans führenden Telekommunikationsanbieter NTT Docomo, bis hin zu unserem beeindruckenden Office in der Metropole. Bereits bei der Ankunft wurde uns die hohe Sichtbarkeit bewusst, da wir nach Vorzeigen unseres Einladungsschreibens von NTT DATA, direkt auf wissentliche Augen und ein nettes Lächeln stießen.

Wenn ich noch vor ein paar Monaten gefragt worden wäre, wodurch sich Deutschland auszeichnet, hätte ich, wie viele andere vermutlich, geantwortet: Regeln und Prozesse. Wer diese Ansicht teilt, war jedoch ganz klar noch nie in Japan! Bereits am Ankunftsabend (0:30 Uhr am Wochenende), wurden wir aufgefordert, unsere Rollkoffer zu tragen, um unsere neuen Nachbarn nicht zu stören. Nur einige weitere herausgegriffene Beispiele sind: Essen auf der Straße ist nicht gern gesehen, beim Kauf eines Getränkes an einem Automaten sollte die leere Flasche im besten Fall in den dafür vorgesehenen Müllcontainer (neben dem Automaten) entsorgt werden, zwischen 7:13 Uhr und 9:30 in Tokio gilt es das Frauenabteil zu beachten, in unserem Stammlokal darf zwischen 11:00 Uhr und 17:27 Uhr nicht geraucht werden, im Aufzug und in der U-Bahn sollte nur leise gesprochen werden – am besten überhaupt nicht, nur wenn unbedingt notwendig sollte gehupt werden, Trinkgeld führt zu Verwirrung, schwarz sowie grau und weiß sind die bevorzugten Farben in der Business Welt, Mülltrennung wird Großgeschrieben (ein einziger Teebeutel kann und soll tatsächlich in 4 unterschiedliche Container entsorgt werden) UND UND UND

Blog-Besinnung-auf-das-Wesentliche-2018-08-II

Wenn man diese „Verhaltensregeln“ mehr oder weniger befolgt (natürlich wird ein gewisser Spielraum gewährt), kann man mit einer bemerkenswerten Freundlichkeit und beinahe unbegrenzten Fürsorge und Gastfreundschaft der Japaner rechnen.

Zusammengefasst ist Japan für mich das Land der Gegensätze – präzise Ordnung vs. Chaos, Konservativität vs. Absurdität, Kultur vs. Technologie.

Was bedeutet das „Remote Year“ für mich im Rückblick?

Oftmals wird das Remote Year kritisch betrachtet und überspitzt formuliert mit einem Urlaub, auf Kosten der Firma, verglichen. Diesen kritischen Blick möchte ich gerne aufgreifen und meine Erfahrungen teilen.

1. Wie schaut mein Arbeitsalltag in Asien aus? Gibt es diesen überhaupt?

Rückblickend kann ich feststellen, dass sich an meinem Arbeitsalltag in den letzten Monaten relativ wenig verändert hat. Ich bin auch hier meist gegen 8:30 Uhr im Büro und arbeite (sofern keine späten Meetings anfallen) bis 18:00 oder 19:00 Uhr Ortszeit. Wenn ich von „Büro“ spreche, meine ich damit die Coworking Bereiche, die vom Remote Year für uns angemietet wurden. Diese sind sehr gut ausgestattet und erlauben durch Ruhe und zahlreiche Meetingräume eine produktive Arbeitsatmosphäre – wobei man natürlich auf Annehmlichkeiten, wie einen verstellbaren Schreibtisch oder unbegrenztem Zugang zu Kaffee, Wasser und Tee, verzichten muss. Auch in der Zusammenarbeit mit meinen Kunden hat sich kaum etwas verändert, da die meisten Absprachen auch in München via Skype stattgefunden hätten.

2. Bin ich noch Teil meines Teams? Ist es möglich, ohne physische Anwesenheit auf dem laufenden Stand zu bleiben?

Ja und ja! Und nicht nur das, ich habe ein neues Team hinzugewonnen: Vlad und Torben sowie weitere Teilnehmer des Programms mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen. Aber zurückkommend auf mein Team in München. Schon vor meiner Teilnahme an dem Programm haben wir eine Kultur des virtuellen Kaffeetrinkens gepflegt. Dies bedeutet, wann immer Kollegen auf Projekten außerhalb von Deutschland sind und wir uns vor dem Hintergrund stärker mit Kollegen aus anderen Standorten austauschen, stellen wir kurze Termine ein, holen uns einen Kaffee, schalten die Kamera ein und tauschen uns aus, ähnlich wie dies normalerweise in der Kaffeeküche passieren würde. Hört sich erst einmal merkwürdig an, ist jedoch eine gute Möglichkeit sich bezüglich Neuigkeiten, Herausforderungen in Projekten und internen Themen auszutauschen – insofern sich beide Parteien darauf einlassen. Auch in die wöchentlichen Teammeetings bin ich remote vollkommen integriert. Dies hat den Effekt auch ohne physische Anwesenheit auf eine gewisse Art und Weise anwesend zu sein, informiert zu bleiben und den Anschluss nicht zu verlieren.

Was nehme ich aus meiner Zeit als „digitaler Nomade“ mit? Dieser Frage möchte ich in meinem nächsten Beitrag nachgehen.


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