Wenn Sie an all die Jahre denken, in denen Sie ein WAN betrieben haben: Wie viel davon haben Sie wirklich kontrolliert – und nicht nur verwaltet oder konfiguriert?
Wenn Ihr Netzwerk auf vom Provider bereitgestellten Multiprotocol Label Switching (MPLS)-Verbindungen basiert, Routing-Entscheidungen durch die Hardware anderer eingeschränkt sind und Sie SLAs haben, die Sie faktisch kaum durchsetzen können, ist Ihr tatsächliches Maß an Kontrolle wahrscheinlich geringer, als Sie denken.
Jahrelang war dieser Mangel an Kontrolle eine strukturelle Realität der Aufgabe. Doch das Machtverhältnis verändert sich.
Die Kontrolle verlagerte sich zunächst von den Providern zu den Unternehmen, dann von den Unternehmen zu Cloud-Plattformen. Jetzt verschiebt sie sich erneut – diesmal hin zur Anwendung selbst.
KI-getriebene Workloads erfordern niedrige Latenz, konstante Performance und Reaktionsfähigkeit in Echtzeit. Daher kann das WAN nicht länger in erster Linie nur Konnektivität bereitstellen. Es muss sich dynamisch an die Anforderungen der Anwendungen anpassen, die es unterstützt – und Sie müssen erkennen, was das für Ihr Netzwerk bedeutet.
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Was haben wir aus einem 40-jährigen Kampf um Kontrolle gewonnen?
Beim Enterprise WAN dreht sich alles um drei Faktoren: Performance, Kosten und Kontrolle.
In den frühen Tagen der Netzwerktechnologie boten Standleitungen zwar eine hervorragende Performance, waren jedoch so teuer, dass sie realistisch kaum skaliert werden konnten. Der Provider baute und kontrollierte die Infrastruktur – und Sie bezahlten lediglich die Rechnungen.
In den 1990er-Jahren senkten Frame Relay und Asynchronous Transfer Mode die Kosten, indem sie gemeinsam genutzte Infrastrukturen ermöglichten. Die grundlegende Dynamik blieb jedoch dieselbe: Der Provider besaß weiterhin das Routing und bestimmte die Performance. Sie waren lediglich Mieter auf dem Eigentum eines anderen.
Dann kam MPLS und gab Netzwerkverantwortlichen genau das, was sie wollten: planbare Performance, Traffic Engineering und belastbare SLAs. Für Branchen wie Financial services war das transformativ.
Doch wenn man die beeindruckende Technologie beiseitelässt, hatte sich im Hintergrund eigentlich nichts grundlegend verändert. Das Kontrollproblem blieb bestehen.
SD-WAN: Als Unternehmen das Steuer zurückeroberten
Der Wendepunkt ließ sich auf eine einfache Frage herunterbrechen: Wenn normale Internetbandbreite schneller und zuverlässiger wird, brauchen wir dann wirklich noch für alles MPLS?
Software-defined WAN (SD-WAN) ersetzte nicht die zugrunde liegende Transportebene, die weitgehend gleich blieb. Es veränderte jedoch die darüberliegende Kontrollebene vollständig. Zum ersten Mal konnten Sie Ihren Datenverkehr selbst steuern – basierend auf Anwendungsperformance, Kosten und geschäftlichen Richtlinien. Der Provider gab nicht länger den Ton an.
Kurz darauf folgte Secure Access Service Edge (SASE), das die Routing-Freiheit von SD-WAN mit cloudbasierter Sicherheit kombinierte. Vorbei waren die Zeiten, in denen Traffic Umwege über zentrale Rechenzentren nehmen musste. Die Kontrolle, die Sie über Ihr Netzwerk-Routing hatten, galt nun auch für Ihre Sicherheit.
Die Enterprise-Ära des WAN war angekommen – doch sie dauerte nicht so lange, wie wir erwartet hatten.
Die dritte Verschiebung: Hyperscaler im Fokus
Während Unternehmen ihre neu gewonnene Kontrolle über das Netzwerk feierten, vollzog sich im Hintergrund ein struktureller Wandel. Anwendungen wanderten in die Cloud – und die leistungsfähige Infrastruktur, die benötigt wurde, um sie zu erreichen, wanderte mit.
Amazon Web Services, Microsoft und Google haben einige der größten privaten Netzwerke der Welt aufgebaut. Ihre Glasfaserinfrastrukturen können mit allem konkurrieren, was traditionelle Provider anbieten. In vielen Enterprise-Architekturen nutzt Ihr Traffic lediglich das öffentliche Internet bis zum nächstgelegenen Cloud-Zugangspunkt und läuft anschließend den restlichen Weg über das Backbone des Hyperscalers.
Infolgedessen ist MPLS nicht länger die Standardeinstellung. In manchen Umgebungen wird es optional, in anderen ist es bereits verschwunden. Das Machtverhältnis hat sich erneut verschoben. Es ist nicht zurück zu den Carriern gegangen, aber es ist auch nicht bei Ihnen geblieben. Es hat sich zu den Cloud-Providern verlagert. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie stark Ihre Netzwerkerfahrung heute von den Netzwerken dieser Provider abhängt.
Wo das Overlay-Modell an seine Grenzen stößt
Die meisten Enterprise-Netzwerke befinden sich heute in einem hybriden Zustand. Sie nutzen SD-WAN, die SASE-Einführung nimmt zu, Internet-first-Zugänge werden wichtiger und Traffic bewegt sich zwischen Cloud- und Carrier-Backbones hin und her. Doch unter all dieser Architektur liegt ein Performance-Problem, das Software allein nicht lösen kann.
Das heutige WAN basiert auf „Best-Effort“-Networking. Für Software-as-a-Service-Anwendungen (SaaS) und allgemeinen Web-Traffic ist das ausreichend. Doch sobald KI, Finanzhandel oder Echtzeit-Datenreplikation ins Spiel kommen, werden die Schwachstellen sofort sichtbar.
Diese Workloads benötigen absolute Planbarkeit. Wenn die Latenz sprunghaft ansteigt oder die Verbindung instabil wird, geht die Auswirkung weit über eine schlechte Nutzererfahrung hinaus. Sie gefährdet die Synchronisation, Resilienz und den Durchsatz des Workloads selbst.
Wenn Sie Hochleistungsumgebungen betreiben, schafft die Entscheidung für ein Best-Effort-Netzwerk einen Engpass, der Ihre gesamte Architektur ausbremst.
Was als Nächstes kommt: Die Kontrolle wandert zur Anwendung
Die nächste Übergabe ist die bisher größte: Die Kontrolle wandert direkt zur Anwendung.
Innerhalb der NTT Group treiben wir diesen Wandel mit dem All-Photonics Network (APN) voran. Anstatt ein weiteres Overlay aufzubauen, modernisiert APN die zugrunde liegende physische Transportebene selbst. Indem die ständigen, latenzverursachenden Umwandlungen zwischen optischen und elektrischen Signalen eliminiert werden, machen wir das zugrunde liegende Netzwerk programmierbar, effizient und planbar.
Der Nutzen ist erheblich. Anstatt dass sich Anwendungen an die Grenzen des Netzwerks anpassen müssen, passt sich das Netzwerk an die Anforderungen der Anwendung an. Workloads können ihre Anforderungen kommunizieren – Latenz, Bandbreite, Resilienz und Sicherheit – und das Netzwerk kann entsprechend konfiguriert werden. Das bedeutet: anspruchsvolle KI-Workloads, Finanzhandelsplattformen und Echtzeit-Datenpipelines erhalten in Echtzeit ein Netzwerk, das genau auf ihre Anforderungen zugeschnitten ist, statt sich auf nachträglich optimiertes Best-Effort-Routing verlassen zu müssen.
Für Hochleistungsumgebungen beendet dies den fortlaufenden Zyklus der WAN-Optimierung. Wir bewegen uns hin zu garantierter Performance – und das ist eine praktische Realität, mit der Sie bereits heute planen müssen.
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4 WAN-Architekturentscheidungen, die jetzt entscheidend sind
Jahrzehnte der WAN-Entwicklung weisen Netzwerkverantwortliche auf vier Realitäten hin:
1. Das Software-Overlay allein kann Sie nicht retten
Wir haben ein Jahrzehnt lang oberhalb der Transportebene innoviert. Das funktioniert gut für grundlegende SaaS-Anwendungen. Doch bei KI und Hochleistungsdaten liegt die eigentliche Einschränkung unterhalb des Overlays. Wenn Sie die Transportebene nicht modernisieren, ist Ihre Architekturprüfung unvollständig.
2. Berücksichtigen Sie die Auswirkungen von Vendor Lock-in
SASE vereinfacht vieles, ist aber ein zweischneidiges Schwert. Es kann auch eine neue Form der Abhängigkeit schaffen, wenn Ihre gesamte Netzwerkstrategie zu stark an die Roadmap eines einzelnen Anbieters gekoppelt wird. Sie müssen entscheiden, wo Standardisierung sinnvoll ist und wo Sie Ihre Flexibilität bewahren müssen.
3. Warten schafft Architekturschulden
KI läuft nicht auf Best-Effort-Netzwerken. GPU-Cluster und Echtzeit-Datenpipelines benötigen absolute Planbarkeit. Bauen Sie Ihre Netzwerkstrategie entlang Ihrer KI-Strategie auf – oder riskieren Sie, Jahre damit zu verbringen, Ihr Netzwerk nachträglich umzubauen, um bereits bestehende Anforderungen zu erfüllen.
4. Menschen können das nicht mehr allein betreiben
Eine Multi-Vendor-Umgebung, die Netzwerk, Sicherheit und Cloud umfasst, erzeugt Telemetriedaten in einer Geschwindigkeit und Größenordnung, die manuelle IT-Operations nicht mehr bewältigen können. Die Zukunft des WAN besteht darin, agentische Infrastruktur einzusetzen, die Daten automatisch in operative Entscheidungen für Performance und Sicherheit übersetzen kann.
Was wird Ihr nächster Schritt sein?
Sie wollen Ihrem WAN nicht einfach nur ein Facelift verpassen. Es geht darum zu entscheiden, wer Ihr Netzwerk, Ihre Cloud und Ihre Sicherheit kontrolliert – und eine Architektur zu entwickeln, die echten Vorsprung ermöglicht, statt nur anspruchsvollere Anwendungen zu betreiben.
Bei NTT DATA unterstützen wir Sie dabei, diese Kontrolle zurückzugewinnen. Mit Multi-Vendor-Expertise über Cisco, Palo Alto Networks, Zscaler, Netskope und weitere Anbieter hinweg planen, implementieren und betreiben wir Ihre sichere Edge- und Cloud-Umgebung End-to-End. So helfen wir Ihnen, die architektonische Kontrolle zurückzugewinnen, indem Anwendungen mit erweiterten Transport-, APN-fähigen Funktionen und agentischen Operations verbunden werden.
Sind Sie bereit, Ihre eigene Architektur selbst in die Hand zu nehmen – oder warten Sie, bis diese Entscheidungen für Sie getroffen werden?
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