Das EUDI-Wallet kommt – und wird Ihre Customer Experience spürbar verändern | NTT DATA

Fr, 20 Februar 2026

Das EUDI-Wallet kommt – und wird Ihre Customer Experience spürbar verändern

Identitätsprüfung in Sekunden statt Stunden? Das EUDI-Wallet macht‘s möglich. Bis Ende 2027 müssen viele Organisationen das European Digital Identity Wallet als Identifizierungsmethode anbieten. Wer jetzt handelt, gestaltet die Customer Experience der Zukunft – wer wartet, verschenkt Potenzial.

Die Deadline steht – und die Chance auch

Sie kennen diese Momente: Ein Kunde will „nur schnell“ etwas erledigen – ein Konto eröffnen, eine Leistung beantragen, eine Police anpassen. Und dann beginnt das, was niemand als Customer Experience (CX) bezeichnen würde: Ausweis hochladen (Ob das System auch einen italienischen Ausweis akzeptiert?“), Daten abtippen („Sind auch wirklich keine Tippfehler drin?“), Rückfragen beantworten („Das habe ich doch telefonisch schon angegeben? “), Dokumente nachreichen („2MB Maximalgröße beim Upload“). Am Ende scheitert es nicht an Ihrem Produkt, sondern an Reibung.

Genau hier setzt das European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) an. Es ist noch nicht flächendeckend „da“ – aber es kommt verbindlich: EU-Mitgliedstaaten sollen bis Dezember 2026 ein EUDI-Wallet bereitstellen. Für viele dienstleistende Organisationen bedeutet das: bis Ende 2027 muss das Digital Identity Wallet als Identifizierungsmethode grenzübergreifend angeboten werden, wenn sie eine „Relying Party“ sind.

Und: Die Bereitschaft ist da. In einer Bitkom-Umfrage zeigt sich: 56 Prozent der Unternehmen wollen das EUDI-Wallet ganz oder teilweise freiwillig nutzen. Nur gut ein Viertel setzt ausschließlich auf die gesetzliche Verpflichtung. Gleichzeitig planen viele erste Schritte erst ab der zweiten Jahreshälfte 2026 oder später. Aus CX-Sicht ist genau das der kritische Punkt: Wer wartet, verschenkt Gestaltungsspielraum.

Was ist das EUDI-Wallet?

Das EUDI-Wallet ist eine europäische digitale Brieftasche, mit der Bürgerinnen und Bürger Identitätsdaten und Nachweise sicher speichern und bei Bedarf gezielt teilen können – kontrolliert durch die Nutzer, interoperabel über Ländergrenzen hinweg. Die Grundlage dafür bildet die eIDAS 2.0-Verordnung, die den rechtlichen Rahmen für digitale Identitäten in Europa schafft.

Für CX-Verantwortliche ist die entscheidende Perspektive: Das EUDI-Wallet verschiebt die Identitätsprüfung von „Formular und Dokumenten-Upload“ hin zu „geprüfte Daten, in Sekunden, mit minimaler Datenteilung“. Es verkörpert die Prinzipien von Self-Sovereign Identity (SSI) – Nutzer behalten die volle Kontrolle über ihre digitalen Identitätsdaten.

Sind Sie„Relying Party“ – und bereit, vom EUDI-Wallet zu profitieren?

„Relying Party“ (oft auch „Verifier“) klingt technisch, beschreibt aber eine sehr konkrete Rolle: Sie sind eine Relying Party, wenn Sie Identität oder Nachweise prüfen müssen, bevor ein Prozess weiterlaufen darf. Das kann eine Bank, eine Versicherung, eine Krankenkasse, eine Kommune oder eine Hochschule sein – kurz: jede Organisation, die vertrauenswürdige Daten braucht, um Leistungen sicher zu erbringen und damit wahrscheinlich ein Großteil von B2C-Dienstleistungsunternehmen.

Vier kurze Beispiele – was das in der Praxis bedeuten kann

Banken: Kontoeröffnung oder Produktabschluss scheitert häufig an der Identitätsprüfung oder an fehlenden Nachweisen. Das EUDI-Wallet kann perspektivisch Identität und relevante Attribute standardisiert bereitstellen.

Versicherungen: Denken Sie an Schadensmeldungen oder Leistungsfälle, bei denen heute Dokumente, Fotos, Bescheinigungen und manuelle Prüfungen zusammenkommen. Mit verifizierbaren Nachweisen aus dem Digital Identity Wallet steigt die Datenqualität – und Rückfragen können sinken, weil weniger Tippfehler und Medienbrüche entstehen.

Krankenkassen: Im Gesundheitskontext wird an Szenarien gearbeitet, bei denen Versicherte Attribute wie die Krankenversichertennummer in die Wallet bekommen und damit Zugriffe auf Anwendungen (zum Beispiel ePA oder eRezept) einfacher autorisieren können.

Kommunen: Bei der Beantragung von Sozialleistungen ist der Nachweisaufwand oft der größte Bremser. Ein Wohngeld-Use-Case beschreibt, wie nichtstaatliche Nachweise (zum Beispiel vom Arbeitgeber, Wohnungsunternehmen, Banken oder Energieversorgern) als standardisierte, verifizierte Attributbündel bereitgestellt werden könnten – damit Bürgerinnen und Bürger nicht mehr scannen und hochladen müssen, sondern Attribute freigeben, die automatisch in den Antrag übernommen werden.

Um auch für Ihr Unternehmen Use Cases des EUDI-Wallet zu identifizieren helfen drei Fragen bei der ersten Einordnung:

  • In welchen Ihrer Prozesse spielt Vertrauen eine Rolle?
  • Wo müssen Sie heute aufwendig Identitäten oder Nachweise prüfen?
  • Welche dieser Prozesse könnten durch das European Digital Identity Wallet effizienter und sicherer werden?  

Wenn Ihnen spontan mehrere Prozesse einfallen: Dann ist das Thema für Ihre CX-Agenda relevant – und kann sich aufs Geschäft auswirken.

CX-Hebel, die sich in Business Outcomes übersetzen lassen

Damit das Thema nicht im „nice to understand“ stecken bleibt, lohnt der Blick auf Ergebnisgrößen – also das, was Sie am Ende gegenüber Business und Vorstand vertreten.  

Business Outcomes: Welche Ergebnisgrößen sich verändern können

1) Wachstum und Umsatzgeschwindigkeit. Wenn Identität und Nachweise nicht mehr über manuelle Schleifen laufen, kann sich die Hürde im Onboarding deutlich reduzieren. Das kann sich übersetzen in:

  • Höhere Conversion Rate, weil weniger Reibung im kritischen Schritt „Identität verifizieren“
  • Schnellere Umsatzrealisierung, weil Services früher nutzbar sind; weniger Wartezeit zwischen Registrierung und Nutzung

2) Kosten und operative Effizienz. Hier wirkt vor allem der Wegfall von Medienbrüchen und manueller Nacharbeit. Mögliche Effekte:

  • Sinkender Customer Acquisition Cost (CAC), wenn teure Ident-Verfahren seltener nötig sind oder in Ausnahmefälle wandern
  • Niedrigere Prozesskosten pro Vorgang durch weniger Korrekturen (Typos), weniger Dokumentenhandling, weniger Rückfragen. Das zeigt sich oft erst nach Stabilisierung im Betrieb.

3) Risiko, Betrug, Vertrauen und Bindung. Wenn kryptografisch abgesicherte Nachweise statt Scans und Kopien genutzt werden, kann das Risiko sinken. Parallel steigt das Vertrauen, wenn Datensparsamkeit sichtbar wird.

  • Reduzierter Identitätsbetrug (Fraud Reduction Rate) im Vergleich zu papier- oder scanbasierten Prozessen
  • Höhere Bindung (Retention, Wiederabschlussrate), weil Kundinnen und Kunden den Prozess als fair und kontrolliert erleben (Datensouveränität)
Der Vertrauenseffekt: „geprüft, standardisiert, datensparsam“

Zwei Vorteile sind für Relying Partys besonders relevant:

Erstens: geprüfte, standardisierte Daten. Statt „Herr Müller tippt etwas ins Formular“ erhalten Sie Daten, auf deren Qualität Sie sich verlassen können – weniger Schreibfehler, weniger Lesbarkeitsprobleme, weniger veraltete Dokumente.

Zweitens: sichtbare Datensparsamkeit. Das EUDI-Wallet ist auf selektive Offenlegung ausgelegt: Die prüfende Stelle bekommt nur das, was sie wirklich braucht. Das klassische Beispiel ist der Mietwagen: Statt Ausweis, Führerschein und Kreditkarte zu kopieren, wird nur abgefragt, ob die Person die erforderlichen Kriterien erfüllt – etwa „über 18: ja oder nein“, nicht das komplette Geburtsdatum. Genau diese Logik des „Zero Knowledge Proof “ – ein Kernprinzip von Self-Sovereign Identity – kann Vertrauen in digitalen Journeys messbar stärken.

Realitätscheck: Die Umsetzung ist mehrdimensional

So attraktiv die CX-Perspektive ist: „EUDI-Wallet verfügbar machen“ ist kein einzelnes IT-Feature.

In der Praxis kommen mehrere Domänen zusammen:

  • CX und Service-Design
  • Prozesse
  • Technische Integration
  • Cybersecurity
  • Compliance und Datenschutz
  • UX und UI

Zusätzlich müssen Sie Use Cases identifizieren, priorisieren und sauber beschreiben, bevor Sie überhaupt sinnvoll testen können.

Die Sandbox: der Weg zur Produktivnutzung führt über Tests

Aktuell ist die Sandbox, eine Testumgebung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) der zentrale Schritt, um Use Cases technisch zu erproben. Die Idee: Unternehmen definieren einen konkreten Anwendungsfall, lassen ihn  vom zuständigen Team der SPRIND verifizieren, testen die Integration und gewinnen Sicherheit für die spätere Produktivnutzung.

Wichtig dabei: Es geht nicht um „Spielwiese“, sondern um den vorgesehenen Weg – in der aktuellen Diskussion müssen Use Cases über die Sandbox gebracht und verprobt werden, bevor die Umsetzung am „echten“ EUDI-Wallet erfolgt.

Wie NTT DATA unterstützt: von Use Case bis Integration – mit Verantwortung

Viele Organisationen wollen früh starten, stoßen aber auf dieselbe Realität: Es fehlt nicht an Motivation, sondern an Ressourcen und an der cross-funktionalen Klammer. Genau dort setzt NTT DATA an – ohne „Buzzword-Bingo“, sondern entlang der Arbeitspakete, die tatsächlich entscheiden:

  • Use-Case-Identifikation und Bewertung: Wo entsteht echter CX- und Business-Impact, und welche Abhängigkeiten (Datenquellen, Rechtsgrundlagen, Partner) sind kritisch? Soll-Ist-Analyse unter Berücksichtigung aktueller Flows – sowohl auf Fachbereichs- als auch Datenebene und Verbessrung dieser hinsichtlich Effizienz.
  • Datenstrategie, Governance und Architektur: Welche Informationen müssen in optimaler Qualität und für die relevanten Nutzergruppen bereitstehen, damit das Prinzip „geprüft und standardisiert“ nicht nur ein Versprechen bleibt, sondern tatsächlich gelebt wird? Diese Basis bildet zugleich das Fundament für eine nachhaltige KI-Strategie sowie für die Einhaltung weiterer Compliance-Anforderungen.
  • Security und Compliance by Design: Schutz, Nachvollziehbarkeit, Minimierung – damit Vertrauen auch im Kontext von DORA, NIS-2 oder anderer Regularien nicht nur versprochen, sondern belegt wird
  • Technische Integration und Sandbox-Begleitung: Von der Vorbereitung bis zur Erprobung – inklusive Anschluss an bestehende Ident- und Prozesslandschaften   

Die Unterstützung basiert auf substanziellen Ressourcen: Über 15.000 Digital-Products- und CX-Profis weltweit, Präsenz in den meisten EU-Mitgliedstaaten, mehr als 30 Jahre Cybersecurity-Erfahrung und sieben globale Data- und Analytics-Innovationszentren ermöglichen die Begleitung von Use Cases sowohl technisch als auch im Kontext unterschiedlicher regulatorischer Anforderungen.

Was diese Ressourcen von theoretischem Wissen unterscheidet: NTT DATA entwickelt selbst nationale EUDI-Wallets – in Spanien und Rumänien – und wirkt aktiv am Architecture Reference Framework (ARF) mit. Diese Hands-on-Erfahrung aus der Wallet-Entwicklung fließt direkt in die Begleitung von Relying Parties ein. In Deutschland hat NTT DATA zudem ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, um die Umstellung auf die Nutzung des European Digital Identity Wallet zu begleiten und Feedback einzubringen.

Diese praktische Kompetenz verbindet sich mit einer kulturellen Dimension: Als Teil der NTT Group ist „verantwortungsvolle Innovation" für NTT DATA Leitmotiv – gerade bei Themen wie digitaler Identität, die Vertrauen und Datensouveränität in den Mittelpunkt stellen.

IHR NÄCHSTER SCHRITT

Das EUDI-Wallet kommt bis 2027 – aber wer jetzt plant, gestaltet die CX. Wer wartet, reagiert nur noch. Identifizieren Sie Ihre kritischen Journeys, priorisieren Sie Use Cases nach Impact, bauen Sie ein cross-funktionales Team auf, und nutzen Sie die Sandbox als Produktivvorbereitung, nicht als Experiment.

Sie wollen konkret werden? Lassen Sie uns über Ihre Use Cases, Ihre Herausforderungen und den Weg zur Integration sprechen.


Weitere Insights