Versicherer stehen unter Druck. Die regulatorischen Anforderungen steigen, Kunden erwarten schnellere und transparentere Erlebnisse und der Wettbewerb verschärft sich, weil digitale Anbieter mit flexibleren Betriebsmodellen in den Markt eintreten.
Als Reaktion darauf investieren Versicherer umfassend in Cloud-Plattformen, digitale Tools und Automatisierung. Trotz dieser Investitionen fällt es vielen weiterhin schwer, sich im erforderlichen Tempo zu verändern. Umsetzungszyklen bleiben lang, Kosten lassen sich nur schwer kontrollieren und mit jedem neuen Release steigt das operative Risiko.
Das Problem liegt nur selten an fehlenden Ideen oder einem mangelnden Zugang zu neuen Tools. Häufiger sind eng miteinander verknüpfte Kernsysteme die Ursache. Sie lassen sich nur schwer verändern und nur mit hohem Aufwand anpassen, ohne zusätzliche Risiken zu erzeugen.
Für Stabilität gebaut, nicht für Veränderung
Seit Jahrzehnten verlassen sich Versicherer auf Kernsysteme, die große Transaktionsvolumen in Bereichen wie Underwriting, Schadenbearbeitung, Policenverwaltung und Finanzen präzise und unterbrechungsfrei verarbeiten.
Diese Systeme wurden jedoch nicht für häufige Veränderungen entwickelt. Im Laufe der Zeit haben individuelle Anpassungen, maßgeschneiderte Integrationen und Einzellösungen hochkomplexe Technologieökosysteme entstehen lassen. Dadurch können selbst kleine Änderungen umfangreiche Tests und eine sorgfältige Abstimmung zwischen verschiedenen Teams erfordern.
Mit zunehmenden Abhängigkeiten werden die Auswirkungen einzelner Änderungen immer schwerer vorhersehbar. Gleichzeitig schrumpft der Kreis an Expertinnen und Experten mit umfassender Erfahrung in Legacy-Plattformen.
Diese Faktoren erhöhen gemeinsam das Risiko. Release-Zyklen verlängern sich, weil Teams Abhängigkeiten analysieren und Validierungsanforderungen erfüllen müssen. Selbst Änderungen, die schrittweise umgesetzt werden könnten, erfordern formale Governance-Prozesse und manuelle Abstimmungen, um das Risiko zu beherrschen. Ein großer Teil der Umsetzungskapazität wird dafür gebunden, die Stabilität zu sichern. Dadurch bleibt weniger Spielraum, um neue Funktionen einzuführen oder schnell auf veränderte Geschäftsanforderungen zu reagieren.
Innovation scheitert in einer solchen Umgebung nicht vollständig. Sie wird jedoch durch den Aufwand gebremst, der zum Schutz des bestehenden Betriebs erforderlich ist.
Infrastruktur ist heute ein Führungsthema
Infrastrukturentscheidungen wirken sich unmittelbar darauf aus, wie schnell Versicherer auf regulatorische Veränderungen reagieren, neue Produkte einführen oder ihre Betriebsmodelle anpassen können. Entscheidungen zu Architektur, Integration und Governance bestimmen die Geschäftsergebnisse ebenso wie die technische Leistungsfähigkeit.
Wenn Versicherer fortschrittlichere Funktionen einführen möchten, werden diese Einschränkungen besonders deutlich.
Analytics, Automatisierung und KI sind auf einen zeitnahen Zugriff auf Daten und die Fähigkeit angewiesen, Aktionen über verschiedene Systeme hinweg zu koordinieren. Sind Anwendungen eng gekoppelt und Daten über uneinheitliche Schnittstellen verteilt, erfordert die Einführung neuer Funktionen häufig zusätzliche Integrationen, manuelle Prüfungen und die Bearbeitung von Ausnahmen. Statt Workflows zu vereinfachen, erhöhen solche Veränderungen die Komplexität weiter.
Infrastruktur ist daher längst keine reine Hintergrundfunktion mehr. Sie beeinflusst, wie sicher ein Versicherer Entscheidungen treffen, Veränderungen aufnehmen und neue Arbeitsweisen ohne Unterbrechungen skalieren kann. Systeme sicher und kontinuierlich weiterentwickeln zu können, wird damit zu einem Wettbewerbsfaktor.
Über einmalige Transformationsprojekte hinausdenken
Viele Versicherer behandeln Modernisierung weiterhin als Abfolge großer Initiativen: Plattformablösungen, Migrationen oder mehrjährige Transformationsprogramme. Solche Vorhaben können Mehrwert schaffen, sind jedoch disruptiv und lassen sich nur schwer wiederholen.
Führende Versicherer verfolgen eine andere Perspektive. Sie fragen nicht mehr nur, wie sie die nächste Transformation abschließen können. Stattdessen prüfen sie, ob ihre Umgebungen fortlaufende, schrittweise Veränderungen unterstützen. Der Fokus verschiebt sich von einzelnen Meilensteinen auf die dauerhafte Veränderungsfähigkeit.
Dafür müssen Architekturen vereinfacht, Integrationen standardisiert und Governance-Strukturen fest in die Umsetzung eingebunden werden, damit Veränderungen zur Routine werden. Richtig umgesetzt, reduziert dieser Ansatz Risiken, verkürzt Umsetzungszyklen und schafft Kapazitäten für Innovation.
Machen Sie Infrastruktur zum Wegbereiter intelligenten Wandels
Ist die Infrastruktur auf kontinuierliche Weiterentwicklung ausgelegt, ermöglicht sie mehr als technische Effizienz. Sie unterstützt neue Arbeitsweisen, schnellere Entscheidungen und resilientere Abläufe. Veränderungen werden zu etwas, das das Unternehmen aufnehmen kann - und nicht zu etwas, von dem es sich anschließend erholen muss.
Für Versicherer gewinnt dies zunehmend an Bedeutung. Sie können sich einen Wettbewerbsvorteil sichern, wenn sie Produkte, Prozesse und Systeme regelmäßig und ohne Unterbrechungen aktualisieren können - und nicht nur im Rahmen seltener, groß angelegter Transformationsinitiativen.
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