Managemententscheidungen aus dem Bauch heraus. | NTT DATA

Dienstag, 14. Aug 2018

Managemententscheidungen aus dem Bauch heraus? – Ein Interview mit NTT DATA CFO Ilka Friese.

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Wie treffen Manager Entscheidungen – rational, emotional, männlich, weiblich…? Was hat es mit Bauchentscheidungen auf sich und wie wirkt sich das wachsende Informationsangebot der Digitalisierung auf Entscheidungen aus? Diese Fragen wurden beim FidAR/FOM Forum „Leading Emotions – Managemententscheidungen aus dem Bauch heraus treffen“ diskutiert.

Unsere Geschäftsführerin und CFO Ilka Friese nahm zusammen mit vier weiteren Gesprächspartnern an der Podiumsdiskussion teil und hatte noch Zeit für ein kurzes Interview.

Alexandra: Ilka, das ist ein hochspannendes Thema, wie Manager ihre Entscheidungen treffen. Inwiefern triffst du Entscheidungen bewusst aus dem Bauch oder rational?

Ilka Friese: Als die Wirtschaftsprüfer von PwC 2016 deutsche Topmanager befragten, was sie bei ihrer letzten großen Entscheidung am meisten beeinflusst habe, nannten 41 Prozent ihre Intuition – der Spitzenwert. „Daten und Analyse“ landete mit 34 Prozent auf Platz zwei.

Bei strategischen Entscheidungen liegen Zahlen, Daten und Fakten als Grundlage vor. Aber zukunftsorientierte Entscheidungen werden auch oftmals unterstützt durch Intuition getroffen. Hier besteht kein Konflikt – es wird beides benötigt: Objektive Zahlen und das Vertrauen auf das Bauchgefühl und die eigene Erfahrung. Oder wie es die in Zürich lehrende Psychoanalytikerin Maja Storch formuliert: „Klug entscheiden heißt: Inhalte aus dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis und bewusste Verstandestätigkeit miteinander zu koordinieren.“

Ich sehe darin den Unterschied zwischen einem Manager und einem Leader: Ein Manager verlässt sich auf konkrete Daten und Fakten, während ein Leader auch gewillt ist, in gewissen Situationen intuitiv zu entscheiden – auch wenn dies ein Risiko mit sich bringen kann. Durch diese Übernahme von Verantwortung werden Innovationen möglich, die bei rein Fakten basierten Entscheidungen nicht zustande kommen würden.

Als CFO sehe ich viele Initiativen und Projekte und mir fällt auf, dass wir einige unserer erfolgreichsten Initiativen nicht nur aufgrund von Zahlen, sondern aufgrund von „Leidenschaft“ entschieden haben – zum Beispiel Altemista! Begeisterte Entwickler und IT-Architekten, die etwas entwickelt haben, was es so vorher noch nicht gab. Wir in der GF haben dann entschieden: Go for it!

Alexandra: In den letzten Jahren hat sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung sehr schnell entwickelt. Damit verändern sich die Prozesse im Unternehmen – und auch die Entscheidungsprozesse. Welchen Einfluss siehst du durch die Digitalisierung auf die Arbeitswelt 4.0?

Ilka Friese: Im digitalen Zeitalter stehen zum einen viel mehr Algorithmen zur Entscheidungsfindung zur Verfügung. Zum anderen ändert sich das Führungsverhalten, auch der Führungsstil muss digital werden.

Mit diesem Prinzip steht ein Wissensnetzwerk klar vor dem Hierarchiegedanken, um schneller Entscheidungen treffen zu können und damit schneller handlungsfähig und flexibler zu sein. Entscheidet nur der Chef, dauern die Prozesse zu lang. Dazu gehört auch eine große Portion Mut und Vertrauen. Mut von beiden Seiten: zum einen, die Verantwortung abzugeben und auf der anderen Seite, die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb gilt für mich der Grundsatz, Delegation von Verantwortung nur an Mitarbeiter, die diese auch wollen.

Alexandra: NTT DATA hat japanische Wurzeln. Siehst du Unterschiede in den Entscheidungsprozessen in Deutschland und in Japan?

 Ilka Friese: In Japan ist es wichtig, eine Entscheidungsfindung über den Konsens der Allgemeinheit zu treffen, das bedeutet, die Gruppe ist wichtiger als das einzelne Individuum.

Daher dauert die Entscheidungsfindung zwar länger als in westlicher Geschäftskultur üblich, dafür wird die gemeinsam getroffene Entscheidung von allen akzeptiert. Beziehungen sind in der japanischen Kultur essentiell. Unabhängig von westlicher oder japanischer Kultur haben gute Führungskräfte für mich ein gutes Kopf- und Bauchgefühl. Beides ist enorm wichtig für gute Entscheidungen.

Alexandra: Vielen Dank, Ilka, für das interessante Gespräch!


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