Von der Science Fiction zur Realität – wie schnell | NTT DATA

Donnerstag, 07. Dez 2017

Von der Science Fiction zur Realität – wie schnell kommt das autonome Fahren wirklich?

Wenn man sich aktuell mit den Entwicklungen in der Automobil-Branche beschäftigt, ist eines der Themen meist das autonome Fahren. Die Schlagzeilen dominiert hier aktuell die Alphabet-Tochter Waymo. In diesem Unternehmen wurde die Entwicklung der einstigen Google-Roboterautos gebündelt.

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Wenn man sich aktuell mit den Entwicklungen in der Automobil-Branche beschäftigt, ist eines der Themen meist das autonome Fahren. Die Schlagzeilen dominiert hier aktuell die Alphabet-Tochter Waymo. In diesem Unternehmen wurde die Entwicklung der einstigen Google-Roboterautos gebündelt. Waymo möchte seine Technologie auch Autoherstellern anbieten, da das Ziel des Unternehmens nicht das Bauen besserer Autos, sondern das Bauen besserer Fahrer ist. Bereits heute werden, in Kooperation mit Fiat Chrysler, in Phoenix Minivans des Modells Chrysler Pacifica umgerüstet. Ist das autonome Fahren angekommen?

Aktuell gehen die Meinungen zum autonomen Fahren weit auseinander. Manche können es kaum erwarten, bis es endlich flächendeckend so weit ist. Andere finden die Vorstellung haarsträubend, die Kontrolle über das Lenkrad an einen Computer abzugeben. Das Echo auf Unfälle mit selbstfahrenden Autos fällt daher immer wieder heftig aus. Als Beispiel hierfür eignet sich der Unfall eines Tesla Fahrzeugs, das in einer Baustelle eine Kollision mit einer Leitplanke hatte. Das Thema war tagelang der Aufhänger für nahezu alle großen Zeitungen.

Dass die Entwicklung langfristig unaufhaltsam ist, scheint besiegelt. Aber wann übernehmen die autonomen Autos endgültig das Steuer? Die zeitlichen Vorhersagen schwanken je nach Quelle und natürlich auch Interesse.

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Letztlich hängt das Tempo der Entwicklung jedoch nicht nur vom technologischen Fortschritt, sondern von eingangs bereits erwähnten weiteren Schlüsselfaktoren ab.

Die beste Technik und der günstigste Preis nutzen nichts, wenn ein Produkt keine breite Akzeptanz bei den Zielkunden findet. Ein Teil der Bevölkerung steht dem autonomen Fahren heute misstrauisch und teilweise ängstlich gegenüber. Es ist verständlich, dass die Menschen Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen, ihr Leben einer Maschine anzuvertrauen. Wussten Sie, dass auch der Sicherheitsgurt bei Autofahrern anfänglich im Verdacht stand, noch mehr Verletzungen und Todesfälle zu verursachen? Die Menschen waren misstrauisch, bis mit der Zeit klar wurde, dass Sicherheitsgurte Leben retten. Heute herrscht fast in der gesamten entwickelten Welt Gurtpflicht.

Dennoch: Wenn es nicht gelingt, das Vertrauen in autonome Autos aufzubauen, wird letztlich nur eine kleine Gruppe diese kaufen. Menschen müssen live erleben und anfassen können, wie neue Technologien das Auto langsam aber sicher in eine „künstliche Intelligenz“ verwandeln. Das geht beispielsweise auf Messen wie der IAA in Frankfurt. Dort stand das Thema „Autonomes Fahren“ in diesem Jahr ganz oben auf der Agenda, und die vorgestellten Prototypen kamen bei den Besuchern sehr gut an. Die Hoffnung, dass je mehr autonome Fahrzeuge kommen, die der Mensch erleben kann, die Akzeptanz immer schneller steigt, ist durchaus vorhanden und auch im Rahmen des Möglichen.

Gesetze können Innovationen unterstützen und beschleunigen oder im wahrsten Sinne des Wortes ausbremsen. Bis 2014 war es in Deutschland und über 70 weiteren Ländern streng verboten, selbstfahrende Autos zu benutzen. So wollte es das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968. Die Devise lautete: Der Fahrer muss sein Auto zu jeder Zeit unter Kontrolle haben.  Das war vor knapp 50 Jahren. Und mal ehrlich, wie weit sind wir in dieser Zeit gekommen?

Die Konvention wurde 2014 richtigerweise angepasst und erlaubt nun den Einsatz autonomer Fahrzeuge. Allerdings nur, wenn der Fahrer jederzeit die Kontrolle wieder übernehmen kann. So hat die Bundesregierung bereits Anfang 2017 für Autos der Stufe 3 neue Gesetze eingeführt. Die Gesetzgebung entwickelt sich weiter, aber sie braucht ihre Zeit. Der finale Schritt auf dem Weg zum autonomen Straßenverkehr wird sein müssen, auch 100% autonome Fahrzeuge durch das Gesetz fahrbar zu machen.

Gerade für den Faktor der Akzeptanz ist die Gesetzgebung jedoch ein springender Punkt. Verbietet das Gesetz wie bis ins Jahr 2014 den Gebrauch von autonomen Fahrzeugen, ist es schwierig ein Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen.

In Deutschland gibt es jährlich rund 2,5 Millionen Autounfälle. Damit direkt verbunden ist der Versicherungsmarkt. Der Anteil der Kfz-Versicherungen beträgt derzeit 13 Prozent des Gesamtmarktes. Sie bilden somit ein wichtiges Segment der Branche. Daher liegt es im Interesse der Versicherungen, entsprechende Tarifmodelle für autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Autonomes Fahren reduziert Unfälle – so sehen es die meisten Experten. Doch solange menschliche Fahrer beteiligt sind, wird es immer wieder zu Unfällen kommen. Eine Versicherung ist also immer noch notwendig. Pro Unfall fallen derzeit bei den Versicherungen durchschnittliche Kosten zwischen 740 Euro (Teilkasko) und 3.600 Euro (Haftpflicht) an. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dieser Betrag durch die steigende Autonomie von PKWs entwickeln wird und welchen Einfluss neue Geschäftsmodelle wie das Carsharing auf den Versicherungsmarkt haben werden. Ist das geteilte Auto ein Privatfahrzeug und wer haftet, wenn mein Auto mit einer anderen Person als Fahrgast einen Unfall hat. Es werden noch viele bürokratische Themen auf uns zukommen.

Doch langfristig müssen die Versicherer umdenken und ihre Produkte entsprechend anpassen. Der Fahrzeugmarkt entwickelt sich und die Versicherer müssen sich bemühen Schritt zu halten. Dank einer obligatorischen Blackbox wie im Flugzeug sollen Behörden ebenso wie Versicherer unterscheiden können, ob ein Unfall durch menschliches Versagen oder durch einen Systemausfall verursacht wurde.

Bei Autos der Stufe 4 geht es noch viel weiter: Hier muss noch grundsätzlich entschieden werden, wer sich versichern muss ­– der Autobesitzer oder der Autobauer.

Der Wandel zum autonomen Fahren kommt und er kommt immer näher. Doch was sind Meilensteine in den nächsten Jahren, an denen man sich orientieren kann? Wir bei NTT DATA habe uns auf Basis der genannten und vielen weiteren Faktoren dazu Gedanken gemacht und drei Zukunftsszenarien für die Entwicklung und Ausbreitung des autonomen Autos entworfen.


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