Wie Galileo autonomen Autos auf die Sprünge helfen | NTT DATA

Montag, 26. Feb 2018

Wie Galileo autonomen Autos auf die Sprünge helfen könnte

Im vergangenen Jahr kam man beim Thema Automobilsektor an einem Schlagwort nicht vorbei: Autonomes Fahren. Wenn man sich damit ein bisschen tiefergreifend beschäftigt hat, stieß man früher oder später auf die Frage: Woher weiß mein Auto eigentlich wann es wo abbiegen soll und wo es hinfahren muss?

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Diese Frage lässt sich auf den ersten Blick relativ einfach beantworten: Durch ein Geolokalisationssystem. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind das US-amerikanische Global Positioning System, kurz GPS, und das russische GLONASS. Beide sind Systeme, die auf wenige Meter genau die Position eines Fahrzeuges, eines Handys oder eines jeden anderen mit dem entsprechenden Empfänger ausgerüsteten Geräts bestimmen kann. Auch wenn das schon ganz gut klingt haben die Systeme eine Schattenseite. Beide werden durch die Militäreinrichtungen der beiden Länder betrieben und finanziert. Die Systeme könnten noch genauere Daten liefern, was das Militär jedoch nicht zulässt. Noch schwerwiegender ist jedoch, dass beide Systeme im Konfliktfall und theoretisch auch jederzeit abgeschaltet werden können. Die Auswirkungen auf ein autonomes Fahrzeug wären verheerend. Doch haben wir eine andere Wahl als diese Systeme zu nutzen?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Noch nicht, aber bald. Aktuell befindet sich das europäische Satellitennavigationssystem Galileo noch im Aufbau. Der erste grundlegende Unterschied zu GPS und GLONASS ist, dass Galileo in ziviler Hand ist. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der EU und der europäischen Weltraumorganisation ESA. Die hierfür gegründete Agentur für das europäische GNSS sitzt in der tschechischen Hauptstadt Prag. In ersten Tests wurde bereits eine deutlich genauere Lokalisation des Empfängers registriert als via GPS oder GLONASS. Bei den herkömmlichen Systemen war eine Abweichung von circa zehn Metern zu erkennen. Bei Galileo, das zu diesem Zeitpunkt nur über acht von 30 geplanten Satelliten verfügen konnte, lag die Abweichung bei nur vier Metern. Wenn die übrigen Satelliten im Einsatz sind, dürfte das System sogar noch genauer werden. Mittlerweile sind bereits 22 in der Umlaufbahn.

Das klingt nach einer perfekten Alternative: Sie ist kostenlos, nicht durch das Militär begrenzt und dazu noch genauer als die bisherigen Systeme. Das Projekt ist jedoch deutlich im Verzug, sollte eigentlich schon 2013 komplett einsatzfähig sein, wurde aber immer wieder durch Probleme und Zwischenfälle zurückgeworfen. Dadurch hat sich auch der voraussichtliche Preis bis zum Abschluss des Projekts im Jahr 2020 auf mittlerweile 5,3 Milliarden Euro erhöht. Noch ist das System nicht 100% einsatzbereit, da einige Komponenten des Satellitennetzes sich noch am Boden befinden. Daher ist auch noch keine 360 Grad Abdeckung möglich.

Welchen Einfluss könnte Galileo nun auf das autonome Fahren haben? Um diese Frage zu beantworten muss man sich zuerst den Ist-Zustand ansehen und analysieren. Momentan nutzen autonome Fahrzeuge zur Positionsbestimmung eine Kombination aus GPS und 5G-Mobilfunkdaten. Diese werden durch im Auto verbaute Sensoren ergänzt und können so den Kontakt mit anderen Fahrzeugen vermeiden. Durch die flächendeckende Einführung des deutlich präziseren Systems Galileo in den Fahrzeugmarkt könnte der nächste Schritt gegangen werden. Für autonome Fahrzeuge macht jeder Meter an Präzision einen großen Unterschied. In Kombination mit immer besser werdenden Sensoren und Scannern befindet sich das autonome Fahren auf einem großen Schritt nach vorn. Es wird spannend sein, zu sehen, wie die Hersteller diese neuen Möglichkeiten in ihrem Portfolio unterbringen werden und was letztendlich wirklich möglich sein wird.


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