Warum Nachhaltigkeit die neue Art des Wirtschaftens ist | NTT DATA

Do, 08 Januar 2026

​​Nachhaltigkeit ist kein Nebenprojekt – sie definiert modernes Wirtschaften​

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einer Masterclass zum Thema Nachhaltigkeit in der Fertigung teilzunehmen, die vom Manufacturing Leadership Council ausgerichtet wurde. Die Diskussion reichte von Digital Twins über die Optimierung von Lieferketten bis hin zur Frage, wie sich Nachhaltigkeit fest in unternehmerische Kernprozesse integrieren lässt.

Nach dem Austausch sind mir mehrere Ideen besonders im Gedächtnis geblieben. Sie sind relevant für jede Organisation, die widerstandsfähiger, effizienter und zukunftsfähiger werden will.

Die Pflicht wird zur Chance

Lange Zeit galt Nachhaltigkeit als Pflichtübung für Regulierungsbehörden und Stakeholder. Diese Perspektive hat sich grundlegend verändert. Heute wird Nachhaltigkeit zunehmend als Treiber für Effizienz auf der Kostenseite und für Wachstum auf der Ertragsseite verstanden.

Laut dem Global GenAI Report von NTT DATA planen nahezu zwei Drittel der Unternehmen, in den Jahren 2025 bis 2026 signifikant in neue Technologien wie GenAI zu investieren. Für Führungskräfte auf C-Level zählt Nachhaltigkeit dabei zu den drei wichtigsten Motivationen für diese Investitionen.

Gerade in der Fertigung zeigt sich, dass pragmatische Nachhaltigkeit, klar an ROI und Resilienz ausgerichtet, messbaren Mehrwert schafft. Weniger Abfall, optimierter Energieeinsatz und intelligentere Lieferketten sind kein Selbstzweck, sondern schlicht gutes Wirtschaften.

Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken

Ein zentrales Thema der Masterclass war die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit nicht länger nur eine Nebenrolle spielen darf. Sie muss Teil der DNA einer Organisation werden, so wie Qualitäts- und Sicherheitsstandards es in den vergangenen Jahrzehnten geworden sind. Das erfordert einen Wechsel von isolierten „grünen Projekten“ hin zu durchgängig verankerten Nachhaltigkeitspraktiken.

Ebenso entscheidend ist die Rolle der Führung. Ohne ein klares Bekenntnis des Top-Managements drohen Nachhaltigkeitsinitiativen zu fragmentieren oder an Priorität zu verlieren.

Ähnlich wie Six Sigma als datengetriebene Methode zur Prozessverbesserung einst unternehmensweite Beteiligung verlangte, erfordert auch Nachhaltigkeit heute Schulungen, Kennzahlen und klare Verantwortlichkeiten auf allen Ebenen.

Echtzeitdaten als entscheidender Hebel

Die vielleicht spannendste Rolle spielen Echtzeitdaten, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit operativ wirksam zu machen. Klassische Jahresberichte liefern nur einen Blick in den Rückspiegel. Echtzeit-Einblicke hingegen ermöglichen es, unmittelbar zu reagieren, zu optimieren und zu innovieren.

Ein gutes Beispiel sind Digital Twins. Digitale Abbilder von Produktionsstätten oder Lieferketten erlauben es, Energieverbräuche zu überwachen, Ausfälle vorherzusagen und Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu testen, bevor Kapital investiert wird.

Studien von NTT DATA zeigen, dass sechsundneunzig Prozent der Unternehmen davon überzeugt sind, dass die Kombination aus Digital Twins und KI die Performance physischer Assets und die Resilienz von Lieferketten verbessert. Auch in der Logistik lassen sich durch Echtzeitdaten Transportwege optimieren, Emissionen senken und Lieferprozesse effizienter gestalten, bei gleichzeitiger Kosteneinsparung.

Wertschöpfung neu denken

In der Diskussion wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur Emissionsreduktion bedeutet, sondern ein grundsätzliches Überdenken von Geschäftsprozessen. Einkauf, Produktdesign, Aftermarket-Services – jede Phase der Wertschöpfung bietet Ansatzpunkte, um Kosten und Emissionen zu senken.

Ein scheinbar simples Beispiel ist die Bereitstellung von Laptops und Endgeräten für Mitarbeitende.

Traditionell werden Geräte mehrfach versendet, manuell konfiguriert und bei Defekten vollständig ersetzt. Wird dieser Prozess neu gedacht, etwa durch automatisierte Konfiguration direkt im Werk, gebündelte Lieferungen sowie Reparatur und Wiederaufbereitung statt Austausch, lassen sich Kosten und Emissionen deutlich reduzieren. Ergänzend ermöglicht Geräte-Telemetrie in Echtzeit ein proaktives Monitoring der Devices und ihre zustandsbasierte Wartung.

Ein kleines Beispiel, das zeigt, wie operatives Redesign im Einklang mit Nachhaltigkeit messbaren Nutzen schafft.

Die richtigen Kennzahlen wählen

Kennzahlen sind entscheidend. Häufig messen Unternehmen Nachhaltigkeit über aggregierte Größen wie Gesamtemissionen. Für die Berichterstattung sind diese Werte wichtig, sie fördern jedoch nicht zwangsläufig intelligenteres Handeln.

Sinnvoller sind Intensitätskennzahlen, etwa Emissionen pro Produktionseinheit oder pro Beschäftigtem. Diese Kennzahlen liegen im Einflussbereich von Führungskräften und verbinden Nachhaltigkeit mit Wachstum. Ziel des Unternehmens soll es schließlich nicht sein, seine Umweltauswirkungen durch Schrumpfen zu reduzieren, sondern durch effizienteres Wachstum.

Datenqualität ohne Perfektionismus

Datenqualität ist und bleibt eine ständige Herausforderung. Perfekte Datensätze sind selten, doch auf vollständige Perfektion zu warten, verzögert notwendiges Handeln. Ein pragmatischer Ansatz besteht darin, eine belastbare Ausgangsbasis zu definieren und Verbesserungen über die Zeit zu messen. Statt ewig auf das perfekte System zu warten, können Unternehmen sofort aktiv werden.

Wie bei der Einführung von KI gilt auch hier: mit dem arbeiten, was verfügbar ist, kontinuierlich verbessern und schrittweise Vertrauen in die Daten aufbauen.

Die Rolle von KI und neuen Technologien

KI eröffnet zusätzliche Chancen, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Einerseits ist KI energieintensiv und wirft Fragen zur eigenen CO₂-Bilanz auf. Andererseits kann sie Nachhaltigkeit gezielt vorantreiben, etwa durch Predictive Maintenance, optimierte Lieferketten oder die Überwachung regulatorischer Vorgaben wie der neuen europäischen Entwaldungsregeln.

Der GenAI Report von NTT DATA zeigt, dass 94 Prozent der Unternehmen bereits energieeffiziente Datenmanagement-Praktiken umsetzen, um Speicher- und Rechenaufwand zu reduzieren. 91 Prozent verlangen zudem von neuen KI-Anbietern die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards.

Darüber hinaus verbessert KI Werkzeuge wie CO₂-Rechner, indem sie Rohdaten in umsetzbare Erkenntnisse übersetzt. In Kombination mit menschlicher Expertise lassen sich Szenarien modellieren, Strategien testen und Risiken deutlich präziser antizipieren als mit klassischen Methoden.

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Der Weg nach vorn: Fünf praktische Schritte

Was bedeutet das konkret für Führungskräfte, die Nachhaltigkeit voranbringen wollen?

  • Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellen: Wie Qualität oder Sicherheit muss sie organisationsweit verankert sein.
  • In Echtzeitdaten investieren: Digital Twins, IoT und Advanced Analytics ermöglichen Handeln im Moment.
  • Auf Intensitätskennzahlen setzen: Sie schaffen Anreize für effizientere Praktiken – zusätzlich zur Senkung der Gesamtwerte.
  • Pragmatismus bewahren: Nicht auf perfekte Daten warten, sondern jetzt starten und kontinuierlich verbessern.
  • KI verantwortungsvoll nutzen: Sowohl zur Reduktion des eigenen Fußabdrucks als auch zur besseren Entscheidungsfindung.

Jetzt handeln

Die Masterclass hat erneut gezeigt, dass Nachhaltigkeit zugleich Innovationsaufgabe und Wertschöpfungschance ist. Unternehmen, die Nachhaltigkeit fest in ihrer DNA verankern, machen ihre Organisation widerstandsfähiger und sichern sich langfristige Wettbewerbsvorteile.

In einer zunehmend KI-getriebenen Wirtschaft wird Nachhaltigkeit immer stärker zum Maßstab für Agilität, Resilienz, Vertrauen und Wachstum. Wer diesen Wandel erkennt und jetzt handelt, wird die Zukunft aktiv mitgestalten.

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IHRE NÄCHSTEN SCHRITTE

Die Masterclass ansehen: From compliance to value: Transforming manufacturing sustainability with real-time data


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